FREAKY – Tagung und Workshop

freaky
Queer Kunst Konferenz, Workshop, Ausstellung

Ballhaus Naunynstraße, Berlin; 28. – 30. August 2009
Kontakt: r.lorenz[at]fu-berlin.de

Konferenz und Workshop fragen nach der Figur des Freaks oder nach einer (Kunst-)Theorie, die freaky ist. Eine solche Theorie oder Kunstproduktion wäre in der Lage, auf die gewaltvolle Geschichte eines Ausstellens von Körpern und des ‚Starrens’ auf Körper zu verweisen sowie auf die Macht der Kategorisierungen – in der Wissensproduktion ebenso wie in der Organisation des Sozialen. Entsprechend wurden kulturelle Praktiken wie diese bereits häufig problematisiert. Es ist die These der Konferenz, dass sie aber möglicherweise auch zum Ausgangspunkt einer queeren Wissensproduktion werden können. Da der historische Gebrauch des Begriffs freak Nachdruck auf ‚strangeness’ und auf die Produktion eines ‚Raums für Differenz’ legt, könnte eine Theorie und Kunstproduktion, die freaky ist, einen „Widerstand gegen kulturelle Homogenisierung” (Teresa de Lauretis)
erlauben.
Konferenz und Workshop knüpfen an die Beobachtung an, dass mittels queerkünstlerischer Praxen vermehrt Bilder entstehen, die sich gegen Prozesse der Normalisierung und Integration sperren, indem sie gängige Kategorien der Verkörperung unterlaufen oder gar keine Körper zeigen. Welche Arbeiten dieser Art gibt es? Welche Anforderungen stellen solche Präsentationen an eine Lektüre der Arbeiten? Wie könnte eine freaky-Kunstheorie aussehen?

Konferenz

Die Konferenz lädt vier Kunst- und Queertheoretiker_innen ein, eine genaue Lektüre von vier künstlerischen Arbeiten vorzutragen, die während der Konferenz präsentiert werden. ‚Queer freaks’, ‚queere Exotik’ und ‚Differenz’ werden dabei im Fokus der Debatte stehen. Ein Film- und Performance Programm wird weitere Perspektiven, künstlerisches Material und visuelle/ linguistische Praxen beisteuern.
Die beiden Hauptfragen sind:
Ein queer freak könnte als nützliche Figur der Intersektionalität auftreten. Diese wäre in der Lage, verschiedenste Arten von Differenz zu repräsentieren, ohne eine Kategorie oder Identität herzustellen. Die Figur des Freaks erlaubt keine Definition einer Norm von der sie abweicht. Sie mag als nicht-funktional oder inkompatibel
mit sozialen und ökonomischen Anforderungen gezeigt werden. Sie mag Fähigkeiten haben, die seltsam erscheinen und die nicht immer Anerkennung erhalten, denen aber dennoch einen gewisser Wert zukommt und die sich auszahlen.
Das Bild des Freaks mag eine Verkörperung zeigen, die nicht in Gender- oder ethnischen Kategorien beschrieben werden kann. Oder sie vermag Körper zu repräsentieren, ganz ohne sie zu zeigen. Wie könnte eine Freak-Theorie oder eine Freak-Lektüre aussehen?
Das Stichwort queere Exotik formuliert die Frage, warum Bilder des Exotischen und des Orients oft in queeren künstlerischen Arbeiten gezeigt werden. Sind sie in der Lage kritisch auf eine Geschichte des Kolonialismus zu verweisen und in die Bedeutung entsprechender Phantasien für die Konstruktion des Westens und von Weiß-Sein zu intervenieren? Produzieren sie eine Figur der Distanz – Distanz zu Weiß-Sein, Westlich-Sein, zu Heterosexualität und zu Zweigeschlechtlichkeit?

Vortragende:

Judith Jack Halberstam, Los Angeles
Elisabeth Lebovici, Paris
Kobena Mercer, London
Beatriz Preciado, Barcelona
Künstlerische Arbeiten von:
Nao Bustamante
Ines Doujak
Latifa Echakhch
Rashawn Griffin

Workshop

Der Workshop wird die Konferenz ‚freaky’ begleiten und soll ermöglichen, die Vorträge und künstlerischen Beiträge zur Konferenz vertiefend zu diskutieren, sowie sich über eigene Arbeiten und Überlegungen zu den Workshopfragen auszutauschen.
Zur Teilnahme am Workshop eingeladen ist jede forschende, künstlerisch-produzierende, lehrende und studierende Person, die sich aus queerer Perspektive mit den vorgeschlagenen Fragen an eine queere Kunstpraxis und -theorie auseinandersetzt oder in eine solche Auseinandersetzung einsteigen möchte.
Der Workshop umfaßt zwei Sektionen von jeweils drei Stunden. Jede Sektion bezieht sich auf die beiden Vorträge des Vorabends und die beiden dort vorgestellten und analysierten künstlerischen Arbeiten. Zudem soll in jeder Workshop-Sektion ein ‚Pool’ Gelegenheit geben, weitere Arbeiten zu den oben genannten Hauptfragen vorzustellen.

Weitere Informationen:

Zugang zum Material
Nach der Anmeldung erhalten alle Workshop-Teilnehmer_innen Zugang zu einer Website, auf der die vier künstlerischen Arbeiten angesehen werden können, die Ausgangspunkt der Vorträge und des Workshops sein werden.

Inputs Pool

Wir bitten alle, die am Workshop teilnehmen möchten, zu überlegen, ob sie einen kurzen Input (5 min.) in den ‚Pool’ geben wollen. Im Anschluß an die beiden Hauptfragen von Konferenz und Workshop gibt es hier die Gelegenheit, in kurzer Form weitere queer-künstlerische Arbeiten vorzustellen: das kann eine eigene
künstlerische/künstlerisch-aktivistische Arbeit sein oder auch die Arbeit von Kunstproduzent_innen, die im Zusammenhang des Workshops interessant erscheinen oder theoretische Perspektiven/Begriffe, die für die Workshopfragen relevant sind. Wir bitten Euch/Sie, einen entsprechenden Vorschlag mit der Anmeldung zu schicken!

Sprache
Der Workshop findet in englischer Sprache statt; es besteht aber die Möglichkeit, Praxen der Übersetzung zu vereinbaren.

Anmeldung

Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos, aber auf 30 Teilnehmer_innen begrenzt.
Wir bitten daher um möglichst frühzeitige aber verbindliche Anmeldung bis spätestens zum 31. Juli 2009.
Wir hoffen, an einige Teilnehmer_innen einen Fahrtkostenzuschuss zahlen zu können, bitten aber alle Teilnehmer_innen ihre Fahrtkosten nach Möglichkeit über andere Institutionen zu beantragen.

Anmeldungen bitte an folgende Email-Adresse:
r.lorenz[at]fu-berlin.de

Ort:
Ballhaus Naunynstraße
Naunynstraße 27
10997 Berlin

Die Konferenz wird organisiert von Renate Lorenz, SFB Kulturen des Performativen, Freie Universität Berlin und der Arbeitsgruppe ‚Prekarisierung sexueller und geschlechtlicher Identitäten’ (www.sfb-performativ.de).