Wissenschaftstheorie – 03.07.2008

Hier die Kurzpräsentationen unter Kommentare ablegen.

Zur Vorbereitung auf die Session mit Nikita Dhawan könnt ihr folgenden Text lesen:

Theory of Knowledge


12 Antworten auf “Wissenschaftstheorie – 03.07.2008”


  1. 1 andy 30. Juni 2008 um 11:17 Uhr

    Pragmatismus

    Das Wort Pragmatismus leitet sich vom griechischen Wort pragma ab, welches Handlung, Tat oder Sache bedeutet. Der Pragmatismus ist eine in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene philosophische Richtung. Der Pragmatismus setzte sich kritisch mit der Beziehung von Theorie und Praxis und insbesondere mit dem Erkenntnis- und Wahrheitsgewinn auseinander. Ziel war ein Handel- und Denkweise zu schaffen, „das nicht in erster Linie an ideologische oder unverrückbare Prinzipien gebunden ist.“

    Als Vordenker des Pragmatismus gilt Charles S. Peirce (1839-1914). Darüber hinaus gelten William James (1842-1910) und John Dewey (1859-1952) als wichtigste Wegbereiter und Theoretiker des Pragmatismus. Ferdinand C. S. Schiller (1864-1937) und Neukantianer Hans Vaihinger (1852-1933) sind als europäische Vertreter des Pragmatismus zu nennen, obwohl sich der Pragmatismus vorrangig auf die angloamerikanischen Länder bezog.

    Sich auf die Ideen Peirces berufend, arbeitete James die Theorie des Pragmatismus aus. Dabei vertrat er den Standpunkt, dass der Nutzen für die Praxis, für das Leben der Menschen, Vorrang in einer Philosophie haben sollte und sich nicht in (moral-) philosophischen Diskussionen erschöpfen sollte, die dem Vorankommen der Menschen nichts nützt. Also wird das “vernünftige Handeln (…) über rein theoretische Überlegungen gestellt, und die Gültigkeit von Theorien wird am Erfolg gemessen. Mit dieser Einstellung sollte James maßgeblich zum Abbau der Schranken zwischen philosophischer Wissenschaft und Alltag beitragen und ein Paradigmenwechsel herbeiführen, durch den der Mensch nicht mehr als rein denkendes Wesen ohne Praxisbezüge gesehen wird.

    Das Kernstück des Pragmatismus ist der Begriff der dynamischen Wahrheit: Menschen organisieren und begeben sich in einen fortlaufenden Einigungsprozess zum Wohl der Gemeinschaft:„Nützlichkeit, Wert, Erfolg sind die Kriterien der Wahrheit.“ Jedoch sollen diese Kriterien nicht im engeren Sinne der Nützlichkeit verstanden werden, sondern vielmehr als Streben nach Wachstum und Entwicklung der Gesellschaft/ Menschheit. Darum kann beim Pragmatismus von einer die Demokratie anstrebende Philosophie gesprochen werden.

    Im Pragmatismus wird davon ausgegangen, dass die Welt sich in einen andauernden Prozess des Werdens befindet und die Zukunft noch offen ist (Dynanismusprinzip). In Verbindung mit dem Pluralismusprinzip – James geht von einer aus vielen eigenständigen Bereichen zusammengesetzten Wirklichkeit aus – ergeben sich ständig Gestaltungs- und Verbesserungsmöglichkeiten, die jedoch persönliche, politische „Verantwortungsbereitschaft und (immer wieder neue) Ordnungsleistungen (z.B. hinsichtlich des politischen Zusammenlebens von Menschen)“ voraussetzen. Dies kann dadurch erreicht werden, indem sich ein jeder ein eine skeptische Unbefangenheit im Denken bewahrt, da man, laut James, nicht davon ausgehen kann, dass die eigenen und historischen Erkenntnisse, die einzig möglichen und gültigen sind.

    Der Pragmatismus steht oft in der Kritik, Zustände und Entscheidungen zu relativieren, da man sie nur nach ihren Nutzen beurteile. Doch dies stimmt nur bedingt und zwar nur dann, wenn von einem Trivialpragmatismus ausgegangen wird, der dazu benutzt wird „alle Handlungen zu rechtfertigen, solange sich diese als nutzbringend, erfolgreich oder bewährt herausstellen“ . Aber wie bereits beschrieben, ging es im Pragmatismus nicht einfach um den bloßen Nutzen einer Sache, sondern um aktive Veränderungsprozesse innerhalb und zum Wohl der Gesellschaft durch die Partizipation des Einzelnen am gesellschaftlichen und politischen Leben.

    Zitat
    http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=JPDRHY
    http://www.socioweb.de/lexikon/lex_soz/o_r/pragmats.htm
    Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Frankfurt am Main, 2004
    http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=JPDRHY
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pragmatismus“

    Quellenangaben
    Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Frankfurt am Main, 2004

    Internet
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pragmatismus
    http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=JPDRHY
    http://www.philolex.de/pragmati.htm
    http://www.schuledesrades.org/palme/books/denkstil/?Q=1/1/3/0/0/1/122
    http://www.socioweb.de/lexikon/lex_soz/o_r/pragmats.htm
    http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=445

  2. 2 Katja 02. Juli 2008 um 0:39 Uhr

    Diskursanalyse

    Definition
    Diskurs ist ein Netzwerk von textlichen Äußerungen, in dem auf gesellschaftlicher Ebene über einen längeren Zeitraum hinweg ein Thema verhandelt wird. Die Bindung der Texte und Textsequenzen untereinander ist durch ein gemeinsames Thema gegeben und realisiert sich über Musterhaftigkeit, intertextuelle (explizite/implizite Referenz) und semantische Bezüge.
    Quelle: http://www.tu-chemnitz.de/phil/medkom/mk/lehre_dl/ss05_ringvorlesung/diskursanalyse.pdf (Stand: 01.07.2008)

    Diskursanalyse ist ein Oberbegriff für die sprachwissenschaftliche Analyse von Diskursphänomenen. Je nachdem, was als Diskurs betrachtet wird, gibt es dafür unterschiedliche Interpretationen. In den Sozialwissenschaften ist nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt des Diskurses Gegenstand der Analyse.
    Die Diskursanalyse geht im wesentlichen auf die Arbeiten von Michel Foucault zurück, der damit die traditionelle Geistesgeschichte in Frage stellte. Foucault schuf aber keine Methode, sondern legte mit seinen theoretischen Überlegungen Grundsteine für eine neue Art des Denkens, ein epistemologisches Modell, das erst in den letzten Jahrzehnten methodisch in der Literaturwissenschaft, der Soziologie und zunehmend auch in der Geschichtswissenschaft angewendet und reflektiert wird.
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskursanalyse (Stand: 01.07.2008)

    Konzepte
    Diskursgeschichtliche bzw. -semantische Forschung. Eine angewandte Diskursforschung, die als historische Semantik bzw. als eine an mentalitätsgeschichtliche Konzepte anschließende Begriffsgeschichte Konstitution und Wandel von Bedeutungskonstruktionen im gesellschaftlichen
    Diskursen beschreibt, kann als eine Schnittstelle linguistischer und geschichts(gesellschafts)wissenschaftlicherForschung verstanden werden. Dabei geht man davon aus, dass man anhand einer Sammlung (Korpus) von meist öffentlichen Texten zu einem bestimmten Thema oder über einen bestimmten Gegenstand kollektive Denkweisen oder Mentalitäten einer Zeit bzw. Zeitspanne und deren Wandel rekonstruieren kann.

    Kritische Diskursanalyse. Die Konzepte der kritischen Diskursanalyse sind sehr heterogen. Gemeinsam beziehen sie sich jedoch verstärkt auf die Machttheorie Foucaults. Dabei wird diskursanalytische Forschung nicht nur als eine deskriptive Rekonstruktion diskursiver Formationen angesehen, sondern als einen aktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs selbst. Sie ist bestrebt, Diskurstheorie und empirische Diskursanalyse mit praktischem gesellschaftveränderndem Handeln zu verbinden.

    Wissenssoziologische Diskursforschung besteht in der Beschreibung von Prozessen der gesellschaftlichen Wissensgenerierung. Dabei geht man verstärkt davon aus, dass Wissensbestände nicht eindeutig bzw. einer Wahrheit verpflichtet sein können, sondern zunehmend als Ergebnisse
    kontextabhängiger Zuschreibungen verstanden werden, die auf gesellschaftlichen Diskursen beruhen. Dabei scheint nicht nur eine Fortschrittsentwicklung maßgebend für die Etablierung
    neuer Wissensbestände zu sein, sondern diese hängt in hohem Maße auch von institutionellen Rahmen-, Produktions-, und Rezeptionsbedingungen ab.
    Quelle: http://www.tu-chemnitz.de/phil/medkom/mk/lehre_dl/ss05_ringvorlesung/diskursanalyse.pdf (Stand: 01.07.2008)

    Namen
    Michael Foucault, Louis Althusser, Jürgen Link, Sigfried Jäger

    Marker
    „Diskurse analysieren heißt Kritik üben.“ (Siegfried Jäger)
    Kritik bedeutet „die Kunst nicht dermaßen regiert zu werden.“ (Michel Foucault)
    Diskurs, Wissen, Macht, Subjekt – Definitionsmacht – Fragestellung, Korpus, Analyse

    Stärken und Schwächen
    Allgemein untersucht sie den Zusammenhang von sprachlichem Handeln und sprachlicher Form, sowie den Zusammenhang zwischen sprachlichem Handeln und gesellschaftlichen, insbesondere institutionellen, Strukturen.
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskursanalyse (Stand: 01.07.2008)

    Auch im Rahmen er Diskurstheorie und der Diskursanalyse taucht (…) die Frage nach der Verallgemeinerbarkeit der Analyseergebnisse auf. (…) Die Trennung von Quantität und Qualität ist in der Diskurstheorie und somit auch in der Diskursanalyse aufgehoben. Da bereits das Einzelne sozial ist, bereitet der Übergang vom Individuellen zum Gesellschaftlichen auch keine prinzipiellen Schwierigkeiten mehr. Ich erinnere an die (…)These von der Konstituierung des Subjekts durch den Diskurs. Es geht hier (…) im Wesentlichen um die Frage, der qualitativen Vollständigkeit der Erfassung des Diskursstrangs, also darum, wann und wodurch ein Diskursstrang in seiner qualitativen Bandbreite erschöpfend erfasst ist, und allenfalls darum, wie sich die in einer Gesellschaft vorhanden Diskursstränge zum Gesamtdiskurs verbinden, nicht aber um die Frage, auf welche Weise man den „Sprung vom Quantitativen zum Qualitativen“ schafft.
    (Quelle: Jäger, 2004, S. 204/205)

    Literatur
    Foucault, Michel (2001): Die Ordnung des Diskurses – 10. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch.

    Jäger, Siegfried (2004): Kritische Diskuranalyse: Eine Einführung – 4. Auflage. Münster: UNRAST-Verlag)

    Keller, Reiner (2004): Diskursforschung: Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen . Opladen: Leske + Budrich.

  3. 3 Katja 02. Juli 2008 um 0:47 Uhr

    Diskursanalyse

    Definition
    Diskurs ist ein Netzwerk von textlichen Äußerungen, in dem auf gesellschaftlicher Ebene über einen längeren Zeitraum hinweg ein Thema verhandelt wird. Die Bindung der Texte und Textsequenzen untereinander ist durch ein gemeinsames Thema gegeben und realisiert sich über Musterhaftigkeit, intertextuelle (explizite/implizite Referenz) und semantische Bezüge.
    Quelle: http://www.tu-chemnitz.de/phil/medkom/mk/lehre_dl/ss05_ringvorlesung/diskursanalyse.pdf (Stand: 01.07.2008)

    Diskursanalyse ist ein Oberbegriff für die sprachwissenschaftliche Analyse von Diskursphänomenen. Je nachdem, was als Diskurs betrachtet wird, gibt es dafür unterschiedliche Interpretationen. In den Sozialwissenschaften ist nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt des Diskurses Gegenstand der Analyse.
    Die Diskursanalyse geht im wesentlichen auf die Arbeiten von Michel Foucault zurück, der damit die traditionelle Geistesgeschichte in Frage stellte. Foucault schuf aber keine Methode, sondern legte mit seinen theoretischen Überlegungen Grundsteine für eine neue Art des Denkens, ein epistemologisches Modell, das erst in den letzten Jahrzehnten methodisch in der Literaturwissenschaft, der Soziologie und zunehmend auch in der Geschichtswissenschaft angewendet und reflektiert wird.
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskursanalyse (Stand: 01.07.2008)

    Konzepte
    Diskursgeschichtliche bzw. -semantische Forschung. Eine angewandte Diskursforschung, die als historische Semantik bzw. als eine an mentalitätsgeschichtliche Konzepte anschließende Begriffsgeschichte Konstitution und Wandel von Bedeutungskonstruktionen im gesellschaftlichen
    Diskursen beschreibt, kann als eine Schnittstelle linguistischer und geschichts(gesellschafts)wissenschaftlicherForschung verstanden werden. Dabei geht man davon aus, dass man anhand einer Sammlung (Korpus) von meist öffentlichen Texten zu einem bestimmten Thema oder über einen bestimmten Gegenstand kollektive Denkweisen oder Mentalitäten einer Zeit bzw. Zeitspanne und deren Wandel rekonstruieren kann.

    Kritische Diskursanalyse. Die Konzepte der kritischen Diskursanalyse sind sehr heterogen. Gemeinsam beziehen sie sich jedoch verstärkt auf die Machttheorie Foucaults. Dabei wird diskursanalytische Forschung nicht nur als eine deskriptive Rekonstruktion diskursiver Formationen angesehen, sondern als einen aktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs selbst. Sie ist bestrebt, Diskurstheorie und empirische Diskursanalyse mit praktischem gesellschaftveränderndem Handeln zu verbinden.

    Wissenssoziologische Diskursforschung besteht in der Beschreibung von Prozessen der gesellschaftlichen Wissensgenerierung. Dabei geht man verstärkt davon aus, dass Wissensbestände nicht eindeutig bzw. einer Wahrheit verpflichtet sein können, sondern zunehmend als Ergebnisse
    kontextabhängiger Zuschreibungen verstanden werden, die auf gesellschaftlichen Diskursen beruhen. Dabei scheint nicht nur eine Fortschrittsentwicklung maßgebend für die Etablierung
    neuer Wissensbestände zu sein, sondern diese hängt in hohem Maße auch von institutionellen Rahmen-, Produktions-, und Rezeptionsbedingungen ab.
    Quelle: http://www.tu-chemnitz.de/phil/medkom/mk/lehre_dl/ss05_ringvorlesung/diskursanalyse.pdf (Stand: 01.07.2008)

    Namen
    Michael Foucault, Louis Althusser, Jürgen Link, Sigfried Jäger

    Marker
    „Diskurse analysieren heißt Kritik üben.“ (Siegfried Jäger)
    Kritik bedeutet „die Kunst nicht dermaßen regiert zu werden.“ (Michel Foucault)
    Diskurs, Wissen, Macht, Subjekt – Definitionsmacht – Fragestellung, Korpus, Analyse

    Stärken und Schwächen
    Allgemein untersucht sie den Zusammenhang von sprachlichem Handeln und sprachlicher Form, sowie den Zusammenhang zwischen sprachlichem Handeln und gesellschaftlichen, insbesondere institutionellen, Strukturen.
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskursanalyse (Stand: 01.07.2008)

    Auch im Rahmen er Diskurstheorie und der Diskursanalyse taucht (…) die Frage nach der Verallgemeinerbarkeit der Analyseergebnisse auf. (…) Die Trennung von Quantität und Qualität ist in der Diskurstheorie und somit auch in der Diskursanalyse aufgehoben. Da bereits das Einzelne sozial ist, bereitet der Übergang vom Individuellen zum Gesellschaftlichen auch keine prinzipiellen Schwierigkeiten mehr. Ich erinnere an die (…)These von der Konstituierung des Subjekts durch den Diskurs. Es geht hier (…) im Wesentlichen um die Frage, der qualitativen Vollständigkeit der Erfassung des Diskursstrangs, also darum, wann und wodurch ein Diskursstrang in seiner qualitativen Bandbreite erschöpfend erfasst ist, und allenfalls darum, wie sich die in einer Gesellschaft vorhanden Diskursstränge zum Gesamtdiskurs verbinden, nicht aber um die Frage, auf welche Weise man den „Sprung vom Quantitativen zum Qualitativen“ schafft.
    (Quelle: Jäger, 2004, S. 204/205)

    Literatur
    Foucault, Michel (2001): Die Ordnung des Diskurses – 10. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch.

    Jäger, Siegfried (2004): Kritische Diskuranalyse: Eine Einführung – 4. Auflage. Münster: UNRAST-Verlag)

    Keller, Reiner (2004): Diskursforschung: Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen . Opladen: Leske + Budrich.

  4. 4 Corinna 02. Juli 2008 um 23:51 Uhr

    Frankfurter Schule

    Definition
    Als Frankfurter Schule wird die neomarxistische, dialektische Kritische Theorie bezeichnet, die im 1924 eröffneten “Institut für Sozialforschung“ an der Universität Frankfurt am Main begründet worden war. 1932 entstand die „Zeitschrift für Sozialforschung“, in der eine „Kritische Theorie“ der Gesellschaft formuliert und diskutiert wurde. 1933 war das Institut gezwungen, Deutschland zu verlassen und emigrierte in die USA. 1950 kehrten einige Vertreter der Theorie nach Frankfurt zurück, wo sie einen großen Einfluss auf die akademische Soziologie ausübten und für die 68-Bewegung von Bedeutung waren.
    Die Frankfurter Schule setzte sich kritisch mit den Bedingungen der Theoriebildung in der Soziologie auseinander. Sie kritisierte auch das trotz technischen Fortschritts weiterhin individuelle Ohnmacht produzierende Industriesystem. Des Weiteren forderte sie die Herstellung einer kritischen Öffentlichkeit durch Aufklärung.

    Konzepte
    Kritik an dem bürgerlichen, positivistischen Wissenschafts-Konzept, das auf der starren Trennung des wissenschaftlichen Objekts vom betrachtenden Subjekt beruht und sich auf scheinbare „harte Tatsachen“ beruft. Subjekte wie Objekte wissenschaftlicher Handlungen sind aber immer in einem gesellschaftlichen Kontext eingebettet und von ihm beeinflusst. Die Erforschung von „sozialen Tatsachen“ ist von vorne herein durch das Forschungsinteresse präformiert und kann nicht außerhalb eines gesellschaftlichen Strukturzusammenhangs bestimmt werden. Theorie der Gesellschaft ist niemals neutral und schließt politische Interessen mit ein. Die kritiklose Unterordnung unter die scheinbaren „Tatsachen“ bedeutet faktisch Unterordnung unter die jeweils herrschenden Denkgewohnheiten, und die Erziehung dazu ist „Einübung des geistigen Gehorsams“.
    Die Frankfurter Schule betont in Übereinstimmung mit Marx die fundamentale Bedeutung der Ökonomie im Geschichtsprozess. Die Überwindung der Abhängigkeit des Menschen von der Natur wird als emanzipatorisch betrachtet. Allerdings wird die Totalität des (ökonomischen) Systems kritisiert. Im Namen der technischen Rationalität kommt es zur totalen Herrschaft über kommunikative Gestaltungsmöglichkeiten und der Beherrschung von Mensch und Natur gleichermaßen. Dem Individuum wird durch die Manipulationstechniken des Systems (z.B. Werbung, Kulturindustrie) vorgetäuscht, dass es frei in seinen Entscheidungen und Handlungen sei und dass es diese Freiheit dem System zu verdanken habe. Diese scheinbar gewaltlos erzwungene Identität mit dem Ganzen täuscht darüber hinweg, dass die überwiegende Mehrzahl der Gesellschaftsmitglieder in Wahrheit abhängiger ist als je zuvor.
    Emanzipation und Rehumanisierung der Sozialverhältnisse könne durch aufklärerische Arbeit („kritische Öffentlichkeit“) bewirkt werden. Diese soll falsche/s Bedürfnisse/ Bewusstsein eliminieren und partizipatorisch organisierte Bestrebungen zur Selbstbestimmung einleiten. Dem Begriff der Gesellschaft kommt hier zentrale Bedeutung zu, denn ohne eine Emanzipation des Ganzen gibt es auch keine Emanzipation der Einzelnen.

    Vertreter
    Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Erich Fromm, Leo Löwenthal, Franz Neumann, Otto Kirchheimer, Friedrich Pollock, Walter Benjamin.
    Jüngere Kritische Theorie: Jürgen Habermas, Oskar Negt

    Marker
    „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“. Ausspruch Adornos in Bezug auf die Psychoanalyse.
    Das Ziel, Neurosen zu heilen, sei absurd in einer Gesellschaft, die sich gerade dadurch integriere, dass die Menschen durch totalitären Terror systematisch vereinzelt werden. Zeichen von psychopathischer Unangepasstheit werden zu einer Art von politischem Widerstand.

    Kritik
    Aus marxistischer Sicht wird kritisiert, dass die Kritische Theorie selbst eine Form des bürgerlichen Idealismus darstelle, die keine Beziehung zur politischen Praxis habe und von jeder revolutionären Bewegung isoliert sei.
    Auch haben die damals zu Grunde liegenden Werte eine Wandlung erfahren. Beispiel ist die Abkehr von der puritanischen Arbeitsethik, in welcher der gesamte Sinn des Lebens um die Berufsarbeit kreist. Dies stellt das von Adorno als undurchdringlich beschriebene gesellschaftlicher Zwangssystem in Frage. Auch die Vorstellung vom Verfall der starken Vaterfigur in der Familie als Problem für die weitere gesellschaftliche Entwicklung entspricht nicht dem heutigen Diskussions- und Erkenntnisstand.
    Zuletzt sei zu erwähnen, dass es keine Namenhaften weiblichen Vertreterinnen der Frankfurter Schule gibt.

    Quellen
    Helmut Dubiel (1988): Kritische Theorie der Gesellschaft
    Gabor Kiss (1973): Die kritische Theorie. In: Einführung in die soziologischen Theorien II. S.298-320
    de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Schule, am 02.06.2008

  5. 5 Tine 08. Juli 2008 um 12:30 Uhr

    H E R M E N E U T I K

    ist im engeren Sinne: Kunstlehre der Interpretation von schriftlich fixierten Texten und gesprochener Rede – im weiteren Sinne: Theorie des Verstehens und Methodologie der Interpretation von Sinngebilden aller Art (Bilder, Filme, Texte, musikalische Werke, Handlungen, Sitten etc.) Unter »Interpretieren« versteht man eine Tätigkeit, die erforderlich wird, wenn etwas nicht unmittelbar verstanden werden kann, sowie eine Tätigkeit, die dem Ziel dient, zu einem adäquaten Verstehen zu gelangen. Die Hermeneutik versucht, diese Tätigkeit methodisch anzuleiten durch Formulierung von Regeln, welche die Willkür von Interpretationen einschränken und ein adäquates Verstehen ermöglichen sollen. Sie ist zugleich philosophische Disziplin, Methode der Geisteswissenschaften und Sinndeutung oder Interpretation. Gemeinsamer Nenner: Das „Verstehen“.
    Die Hermeneutik beschäftigt sich 1. mit dem Text an sich und seinem Autor, 2. dem Medium, das die Botschaft übermittelt und 3. dem Subjekt der Betrachtung. Die Hermeneutik als wissenschaftliche Methode ist als strukturiertes, planmäßiges Vorgehen zu verstehen. Das Wissen um die Bedeutung soll hierbei eine präzise Interpretation eines Gegenstands ermöglichen. In der politischen Theorie ist Hermeneutik als philosophisches Teilgebiet zu verstehen, das der Frage nach den Grundlagen von Bedeutung, Sinn und Interpretation nachgeht.

    Sie war bis zum 18. Jahrhundert auf „klassische“, „autoritative“ oder „heilige“ Schriften beschränkt.
    SCHLEIERMACHER prägte sie als »Kunstlehre des Verstehens«, er wandte Hermeneutik auf alle Texte und Produkte menschlichen Geistes an und relativierte dadurch DIE Wahrheit der „heiligen“ Texte. Er befragte Texte auf ihren wirklichen Gehalt hin. Neu war ein erweitertes Verständnis von Wahrheit, diese wurde nicht mehr in den Texten selbst gesucht, sondern in der angestrebten Methode des Sinnverstehens. Die Texte erhielten eine Entstehungs-, Wirkungsgeschichte und einen Autor und waren somit Produkte des Geistes und des Lebens. Sie wurden Gegenstand des Verstehens und dadurch auch Gegenstand von Missverständnissen. Sie wurden als Ausdruck der Intention, des Lebens und der geschichtlichen Epoche des Autors verstanden. Verstehen bedeutete ein Wiedererleben des Bewusstseins, des Lebens und des geschichtlichen Moments, dem die Texte entstammten.

    DILTHEY strebte eine theoretische Fundierung der verstehenden Geisteswissenschaften in Abgrenzung zu den rein erklärenden Naturwissenschaften an – Hermeneutik als methodologische Grundlegung der Geisteswissenschaften. Bedeutung/Sinn von Äußerungen und Werken des menschlichen Geistes sollten aus sich und in ihrem Zusammenhang verstanden werden. Er strebte die Überwindung der (historischen) Distanz zum Text an – durch das Hineinversetzen und Nacherleben des Schöpfungsaktes des Textes, durch unmittelbares Verstehen (inzwischen überholt).

    HEIDEGGER radikalisierte den Verstehensbegriff auf ein Seinsverstehen. „Verstehen“ wird vom schriftlichen Text losgelöst als Weise des menschlichen Existierens selbst begriffen. Erst die eigene Endlichkeit und der Tod lassen die Vergangenheit in der Gegenwart wirkungsvoll sein. Die Endlichkeit prägt die Begriffe des Seins, des Wissens und der Wahrheit. Heidegger überführt somit die „einfache Textinterpretation“ und stellt eine Beziehung zwischen Sein-Zeit-Verstehen her. Er öffnet die Hermeneutik somit für Analysen der Wahrheit und der Macht. Außerdem kam der Begriff des „hermeneutischen Zirkels“ auf: Der Verstehende muss immer schon ein Vorverständnis von dem haben, was Gegenstand des Verstehens ist
    Gadamer verstand Hermeneutik eher als Geschehen denn als Verstehen. Für ihn war es die besondere Art und Weise, in der ein kulturell gewachsener Überlieferungs-, Traditions- und Normzusammenhang aufrechterhalten und weiterentwickelt wird. Er betonte die Bedeutung des historischen Ortes des Verstehenden für dessen Verstehen. Der Zeitabstand (hermeneutische Differenz) zwischen (gegenwärtigem) Leser und (überliefertem) Text gilt seither als Bedingung hermeneutischen Geschehens, als Teil des Verstehens. Außerdem legte er den Focus auf die Wirkungsgeschichte – die Betrachtung nicht nur der einzelnen hermeneutischen Situation, z.B. Lektüre eines überlieferten Textes, sondern auch der Tatsache, dass sie in aller Regel auf eine ganze Reihe von entsprechenden Situationen folgt und ihrerseits neue, nachfolgende hervorrufen kann. Wirkungsgeschichtliches Bewusstsein hat die eigene Situation nicht naiv, sondern reflektiert an die Überlieferung anzuschließen. Es soll die Zugehörigkeit der Gegenwart zur Tradition artikulieren, aber nie vergessen, was sie von ihr trennt.

    HABERMAS brachte keine eigene hermeneutische Theorie hervor, stieß jedoch im Rahmen einer Theorie des kommunikativen Handelns auf hermeneutische Fragestellungen. Auf Textverständnis bezogen fordert er eine Rekonstruktion des historischen Sinns und eine gegenwärtige Stellungnahme zum Geltungsanspruch jenes Sinns, d.h. möglicherweise auch die im Horizont gegenwärtiger Erfahrung begründbare Abgrenzung von ihm. An Stelle von Sinnverstehen, das auf Einfühlung oder unbefragter Traditionsübernahme basiert, tritt eine geschichtsbewußte „Sinnkritik“.

    „Hermeneutik: Kunst der Unterstellung“
    (Alexander Eilers, Aphoristiker)

  6. 6 Nic 10. Juli 2008 um 9:26 Uhr

    MATERIALISMUS

    Definition
    Der Begriff Materialismus ist abgeleitet von Materie.
    Materialismus ist (theoretisch) die Lehre, daß das wahrhaft Reale in der Natur (kosmologischer Materialismus) wie im Geistigen, Seelischen (psychologischer Materialismus) die Materie (s. d.) oder das Körperliche, Physische (s. d.) sei. Nach dem kosmologischen Materialismus ist alles Wirkliche körperlich, alles Geschehen im Grunde mechanischer Art, Bewegung der Körper und Atome.
    Die Ursprünge des Materialismus liegen in der griechischen Naturphilosophie.
    Die Naturphilosophen suchten natürliche Erklärungen der Wirklichkeit anstelle der mythologischen. Die Naturphilosophie gilt somit auch als Vorläuferin der modernen Wissenschaft.
    In der Scholastik wurde die Materie als rein passiv betrachtet. Beeinflusst durch die peripatetische arabische Schule wurde in der Spätrenaissance der Materie aktive Fähigkeiten zugesprochen.
    Der Materialismus geht davon aus, dass auch Gedanken und Ideen Erscheinungsformen der Materie sind bzw. auf solche zurückgeführt werden können.

    Konzepte
    Drei verschiedene Positionen:
    Der erkenntnistheoretische oder ontologische Materialismus ist eine philosophische Position, die alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf Materie und deren Gesetzmässigkeiten und Verhältnisse zurückführt. Auf die Frage „Was ist?“ antwortet der Materialismus: Nur Materie. So wird dem Menschen die ihn umgebende Welt und die in ihr ablaufenden Prozesse ohne geistige bzw. immaterielle Elemente erklärt, wie beispielsweise Gott, dessen Existenz sich mit der Methodik der Naturwissenschaft, insbesondere dem Experiment, nicht überprüfen (verifizieren bzw. falsifizieren) lässt.
    Der historische Materialismus (manchmal auch: ökonomischer Materialismus), der auf Karl Marx zurückgeht, sieht die menschliche Geschichte nicht durch Ideen oder einen „Weltgeist“ bewegt, die sich in der Geschichte verwirklichten, sondern durch ökonomische Interessen und Interessenkonflikte. Demnach wandeln sich Gesellschaften nicht wegen irgendwelcher Ideale, sondern aufgrund ständiger Klassenkämpfe, in denen diese ökonomischen Interessenkonflikte kollektiv ausgetragen werden. Auch Konflikte zwischen Gesellschaften sind dadurch erklärbar.
    Der ethische Materialismus, alltagssprachlich der gebräuchlichste Begriff, kennzeichnet (meist
    abwertend) eine Lebenseinstellung, die hauptsächlich nach materiellem Besitz und Wohlstand strebt.

    Namen
    Wichtige Vordenker sind u. a. Thales, Anaxagoras, Parmenides, Epikur, vor allem aber Leukipp und Demokrit, die Begründer der Atomistik.
    Spätrenaissance: Giordano Bruno
    Zeitalter der Aufklärung: ab 1750 La Mettrie, gefolgt von d’Holbach, Helvétius und Diderot.
    In Deutschland trat erst um 1840 mit Ludwig Feuerbach (gefolgt von Carl Vogt, Jakob Moleschott u.a.) ein Materialismus hervor, der nicht auf die französischen Vorgänger aufbaute.
    Karl Marx und Friedrich Engels waren zunächst Anhänger Feuerbachs, erweiterten dessen Konzept aber zunächst (1846) zum (gesellschaftstheoretischen) Historischen Materialismus und ergänzten diesen später durch den (naturphilosophischen) Dialektischen Materialismus.
    Der Anarchist Michail Bakunin, der in seinem Werk „Gott und der Staat“ versucht, die Frage zu beantworten, ob Idealisten oder Materialisten im Recht sind.
    Ernst Bloch differenziert die Philosophiegeschichte in einen Rechts-Aristotelismus und einen Links-Aristotelismus, je nachdem, ob Geist, Form und Idee oder aber Materie als das Schöpferische in der Welt gesehen wird.

    Marker
    Es existiert nur, was experimentell bewiesen werden kann. Kein Raum für Spiritualität, Religion. „Was ist? – Nur Materie!“ Die gegenständliche und die geistige Wirklichkeit bestehen ausschließlich aus Materie oder sind auf materielle Prozesse zurückzuführen.

    Stärken
    Das materialistische Denken schuf wesentliche Grundlagen der modernen Naturwissenschaften, stärkte religionskritische und philosophisch-atheistische Positionen.
    Als Epiphänomenalismus gesteht er die Existenz von Seelischem und Geistigem zu; allerdings seien Letztere nichts als Wirkungen physikalischer Prozesse, speziell von Gehirnprozessen, eine Rückwirkung gebe es nicht. Als Identitätstheorie behauptet er, dass Bewusstseinsphänomene nicht einen eigenen Seinsstatus besitzen, sondern lediglich eine besondere Art von Hirnprozessen sind.
    Der Materialismus kann (im Gegensatz zum Idealismus) die Eigengesetzlichkeit der sinnlich wahrnehmbaren Welt und deren beobachtete Unabhängigkeit von mentalen Prozessen erklären.
    Er kann sich mittels der „höchstentwickelten“ Erscheinungsform der Materie, dem menschlichen Gehirn, selbst erklären. Die Resultate des Denkens selbst, die Ideen, sind zwar nicht materiell, beruhen aber auf der Tätigkeit des Gehirns und sind damit Produkt der Materie. Die kompliziertesten Resultate menschlichen Denkens, also die wissenschaftlichen Theorien, haben ihren Wahrheitsgehalt immer in der konkreten Tätigkeit (z. B. Experiment, Produktion etc.) zu beweisen. Dies nennt man das Kriterium der Praxis.

    Schwächen
    Der Materialismus ist seit seinen Anfängen kritisiert worden. Neben Auseinandersetzungen der verschiedenen Strömungen des Materialismus spielt dabei hauptsächlich die Auseinandersetzung zwischen Materialismus und Idealismus eine Rolle.
    Der Materialismus kann sich nicht selbst erklären, da er als Theorie und nicht als Materie auftritt.
    Mentale menschliche Fähigkeiten wie das Selbstbewusstsein können nicht (rein) materiell verstanden und nicht vollständig auf die Materie zurück geführt werden.
    Der Begriff der Wahrheit (bzw. die gesamte Erkenntnistheorie) ist rein materiell nicht zu verstehen. Die Erkenntnistheorie wird durch den Materialismus auf eine empirische Wissenschaft verkürzt. Kulturelle Inhalte, Ideen und alle immateriellen Formen haben keine eigenständige Existenz mehr. Eine Erkenntniskritik oder eine unabhängige Reflexion der Erkenntnis sind in einem Materialismus nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt möglich. Eine Überprüfung von wissenschaftlichen Hypothesen ist nur noch innerhalb bestimmter metaphysischer Vorbedingungen möglich.
    Weiterhin sind die Folgen des Materialismus für die Ethik und die Anthropologie nach Meinung seiner Kritiker verheerend. So werde eine Ontologie konstatiert, die dem Menschen von seinem Wesen her bestimmen wolle. Dies sei zu allen Zeiten Aufgabe der Theologie und Philosophie gewesen, die als Ursprung der Naturwissenschaft gelten würden. So werde von vielen bürgerlichen Philosophen der Materialismus als in den Naturwissenschaften vorherrschend angesehen, was als anmaßend und die Grenzen der Naturwissenschaft überschreitend empfunden wird.

    Quellen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus
    http://lexikon.meyers.de/meyers/Materialismus
    http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=GYRO79
    http://www.textlog.de/4409.html

  7. 7 Bele 10. Juli 2008 um 14:54 Uhr

    HUMANISMUS

    lateinisch humanitas: Menschlichkeit

    Im weitesten Sinne meint Humanismus eine geistige Haltung, die die Würde des Menschen, die Bedeutung der Einzelpersönlichkeit und die volle Entfaltung ihrer Fähigkeiten betont. Es geht um eine der Menschenwürde und der freien Persönlichkeitsentfaltung angemessene Gestaltung des Lebens und der Gesellschaft, in der das Streben nach Humanität, also Menschlichkeit, nach Freiheit, Toleranz und der Respekt vor anderen Menschen von zentraler Bedeutung sind.
    Alle Menschen sollen gleiche Rechte haben.
    Der Mensch unterscheidet sich von allen anderen Lebewesen.

    KONZEPTE

    der Renaissance – Humanismus, ca. 1450 – 1600

    Im engeren Sinne – historisch gesehen – meint der Humanismus eine geistige Bewegung, die um 1450 in Italien entstand und sich in vielen Teilen Europas verbreitete. Wichtigster Grundzug ist eine an der anfangs römischen, später auch griechischen Antike orientierte menschliche, nicht theologische Bildung, aus der die Gelehrten ein neues Bildungsideal und Selbstverständnis zu gewinnen suchten.
    Nicht mehr der Heilige war das Ideal, sondern es entstand ein Idealbild des Menschen, der seine Persönlichkeit auf der Grundlage allseitiger theoretischer und moralischer Bildung frei entfalten kann.
    Eine verstärkte Hinwendung zur Naturwissenschaft und die Kritik an kirchlichen Dogmen und die Abwendung von Scholastik und Aberglauben charakterisieren die Schriften vieler Humanisten und können als Wegbereiter der Aufklärung und der Reformation gesehen werden, auch wenn sich die Wege dann trennten.
    Der Humanismus wurde in Abgrenzung zur Renaissance als Zeit eines umfassenenden kulturellen und sozialen Wandels, zu einer Bildungsbewegung, mit Interesse an Sprache, Geschichte und der „Nachbildung der Antike“.
    Vertreter: Giovanni Boccaccio, Dante Aligheri, Ulrich Hutten, Thomas Morus, Erasmus von Rotterdam

    der Neuhumanismus, seit ca.1750

    Seit ca. 1750 erfolgte Erneuerung der Bewegung vor dem Hintergrund, das sich der Mensch als produktiv tätig und selbstbestimmt aus der spätfeudalen Ständeordnung befreien soll.
    Erneute Hinwendung zum klassischen Altertum, die wahre Menschlichkeit entfaltet sich im Bildungsprozess des Einzelnen,
    die Epoche war Blütezeit künstlerischer Erneuerung.
    Vertreter: G. E. Lessing, J. W. von Goethe, Friedrich Schiller, Hölderlin, Winckelmann, Herder, W. v. Humboldt

    Der philosophisch – politische Humanismus, ab 19. Jahrhundert

    Volle Entfaltung der anthropozentrischen Einstellung – der Mensch ist das Maß aller Dinge – der Begriff des Humanen entwickelt sich zum gesellschaftlichen Postulat.
    Karl Marx sah im Humanismus die Vollendung der Vermenschlichung des Menschen, die Aufhebung der menschlichen Selbstentfremdung durch den Kommunismus.
    Jean Paul Sartre betont im existentialistischen Humanismus die Eigenverantwortlichkeit des Menschen,
    weitere wichtige Vertreter und Weiterentwickler des Humanismus waren Martin Heidegger – im Denken ruht die Menschlichkeit – und Erich Fromm – Humanismus als reale Utopie –, Albert Schweitzer, Albert Einstein, Charlotte Bühler, Walter Jens
    Ausserdem findet die humanistische Theorie Bedeutung in der Psychologie, maßgeblich durch A. Maslow und C. Rogers mit seinem klienten- zentrierten Ansatz,
    als auch in der Justiz in Form der unantastbaren Menschenwürde als Grundlage eines völkerrechtlichen Wertesystems

    MARKER/ ETHISCHE GRUNDWERTE

    Die Würde des Menschen ist unantastbar
    Toleranz, die Grenzen sind dort, wo man es mit Intoleranz und Verletzung der Menschenrechte zu tun hat
    Demokratie, Solidarität, Frieden, Gleichberechtigung der Geschlechter, Recht und Pflicht des Menschen zur Selbstbestimmung,
    GEGEN Dogmatismus und absolute Wahrheiten, friedlicher Austausch von Ideen
    Anerkennung der Begrenztheit unseres Wissens
    Die Freiheit zwischen verschiedenen Lebensauffassungen wählen zu können

    KRITIK
    Alles Schlechte wird als „unmenschlich“ bezeichnet, das Schlechte ist aber auch ein Teil des Menschen und damit menschlich! Und überhaupt, was ist unmenschlich?
    Die Humanisten hatten bis auf wenige Ausnahmen kein Verständnis für die soziale Frage, die Masse des Volkes blieb von humanistischer Bildung ausgeschlossen, bildete nur die Basis, die es einer privilegierten Minderheit ermöglichte – erst den Gelehrten, dann dem Bildungsbürgertum – sich mit Kultur, besonders mit Literatur zu beschäftigen.
    Sie kritisierten kirchliche Missstände, standen Religion und Christentum als Ganzem aber kritiklos gegenüber.
    Erkenntnistheorie wurde in der Regel keine betrieben.

  8. 8 Nina 10. Juli 2008 um 18:19 Uhr

    Konstruktivismus

    Definition
    Konstruktivismus ist mit der Ansicht verknüpft, dass Wissen, Erkenntnisse, Zusammenhänge, Ideen und andere Inhalte vom Menschen konstruiert oder erzeugt, d.h. sozusagen erfunden sind. Die Wirklichkeit ist Konstruktion.

    Konzepte
    Der radikale Konstruktivismus geht davon aus, dass jeder Mensch allein sich sein Bild von der Welt erschafft, das Weltbild ist konstruiert.
    Der soziale Konstruktivismus behauptet hingegen, dass der Mensch nur im sozialen Diskurs, also im Umgang mit anderen, Erkenntnisse über seine Umwelt erlangt. Es geht also um die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Die Gender Studies beziehen sich auf den Sozialkonstruktivismus.
    Die soziale Konstruktion von Zweigeschlechlichkeit, also die geschlechtliche Konstruktionen für Weiblichkeit wie für Männlichkeit müssten mit Hilfe von „Dekonstruktion“ aufgelöst werden, so Judith Butler.
    Die konstruktivistische Sichtweise der Frauenbewegung stellt die angebliche Naturgegebenheit der Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Frage.
    Konstruktivisten gehen (im Unterschied zu den Essentialisten) davon aus, dass die Grenzen von Identitäten fließend sind, also durch soziale, politische, kulturelle und ökonomische Auseinandersetzungen geschichtlich veränderbar sind.
    Der interaktionistische Konstruktivismus (im Gegensatz zum radikalen Konstruktivismus) sieht Macht als einen zentralen Begriff an, um Beziehungsstrukturen kritisch zu hinterfragen. Nach Foucault gibt es keine Beziehungen ohne Macht- der konstruktivistische Ansatz bietet also die Möglichkeit hegemoniale Machttendenzen zu hinterfragen.

    Namen
    Kant, Niklas Luhmann, Paul Watzlawick, Heinz v. Förster, Ernst v. Glaserfeld, Humbert Maturana, (Michel Foucault).

    Marker
    „Es gibt keine wahren Gegebenheiten“
    „Die Wirklichkeit wird nicht gefunden, sondern erfunden“
    „Konstuktionen werden zu Wahrheiten die wir als Wissen anerkennen“
    „Nichts ist naturgegeben“

    Grenzen
    - Mit der konstruktivistischen Sichtweise kann man nichts erklären oder begründen.
    - Der Konstruktivismus stellt keine inneren Zusammenhänge her.
    - Die Vorstellung, dass nichts wirklich Wahr ist kann frustrieren.
    - Eingeständnis in die eigene Geschichtlichkeit
    - Veränderbare Zustände!
    - Zeigt Widersprüche auf

  9. 9 ralf 11. Juli 2008 um 10:09 Uhr

    Rassismusforschung
    Die Anfang des 20. Jahrhunderts entstehende Rassismusforschung untersucht die Entstehung und Auswirkung von Rassismus. Als erste Veröffentlichung in der der Begriff Rassismus verwendet wurde gilt „Étude critique sur la formation de la doctrine des races au XVIIIe siècle et son expansion au XIXe siècle“ von Théophile Simar aus dem Jahr 1920. In der Wissenschaft existieren heute verschiedene Definitionen des Begriffs Rassismus. Tragweite, Gültigkeit und Erklärungsmacht der jeweiligen Definitionen variieren je nach Deutungsebene und Schwerpunkt.

    Wichtige VertreterInnnen und ihre Definition von Rassismus:
    Für Philomena Essed, Professorin für kritische Rassen-, Geschlechts- und Führungslehre an der Antioch University in Yellow Springs USA, ist Rassismus beispielsweise „eine Ideologie, eine Struktur und ein Prozess, mittels derer bestimmte Gruppierungen auf der Grundlage tatsächlicher oder zugeschriebener biologischer oder kultureller Eigenschaften als wesensmäßig andersgeartete und minderwertige «Rassen» oder ethnische Gruppen angesehen werden. In der Folge dienen diese Unterschiede als Erklärung dafür, dass Mitglieder dieser Gruppierungen vom Zugang zu materiellen und nicht-materiellen Ressourcen ausgeschlossen werden. Rassismus schließt immer den Gruppenkonflikt hinsichtlich kultureller und materieller Ressourcen ein.“ „[…] Rassismus ist ein strukturelles Phänomen. das bedeutet, dass ethnisch spezifizierte Ungleichheit in ökonomischen und politischen Institutionen, im Bereich von Bildung und Erziehung und in den Medien wurzelt und durch diese Strukturen reproduziert wird.“ (Philomena Essed, Rassismus und Migration in Europa, in ARGUMENT-Sonderband AS 201, Argument Verlag, Hamburg 1992, Seite 375 )

    Für Robert Miles, Professor für Soziologie und internationale Studien an der University of North Carolina at Chapel Hill USA, ist Rassismus ein Herrschaftsmechanismus, der auf dem Prozess der Konstruktion von Gruppen als „Rassen“ beruht. Rassenkonstruktionen, die behauptete Minderwertigkeit im Vergleich zur eigenen Gruppe und die Macht, die eigene Definition gesellschaftlich durchzusetzten, bezeichnet er als Rassismus.

    Der britische Soziologe Stuart Hall vertritt die These, dass Rassismus immer historisch spezifisch ist, je nach Epoche, nach der bestimmten Kultur, der bestimmten Gesellschaftsform in der er auftritt. Daraus folgt für ihn, dass diese jeweiligen spezifischen Unterschiede analysiert werden müssen.
    ( Vgl.:Stuart Hall (1978) nach Robert Miles, in: Bedeutungskonstitution und der Begriff des Rassismus, aus dem Englischen von Nora Räthzel (Hg.); Theorien über Rassismus, Argument-Verlag, Hamburg 2000, Seite 26 )
    In Deutschland ist die Rassimusforschung eine recht neue Wissenschaft. Der Begriff „Rasse“ wurde nach dem Nationalsozialmus kaum mehr benutzt. Robert Miles schreibt dazu, dass „die „Endlösung“ explizit mit einer Theorie biologischer Minderwertigkeit legitimiert wurde. So haftet dem Wort „Rasse“ der Geruch der Krematorien an.
    Zum anderen spielt es sicherlich auch eine Rolle, dass der Kolonialismus, in dessen Kontext
    der Rassismus-Begriff zentral ist, in Deutschland als ein weniger gravierendes Phänomen
    betrachtet wird und in seiner Bedeutung gewissermaßen hinter dem Nationalsozialismus
    zu verschwinden scheint.
    Für die Beschreibung dieser Form der Herrschafts- und Diskriminierungsstruktur wurden und werden teilweise in Deutschland die ungenauen Begriffe „Fremdenfeindlichkeit“ oder „Ausländerfeindlichkeit“ eingesetzt.
    Weiterhin ist zu beobachten, dass häufig der Begriff „Kultur“ den Begriff „Rasse“ ersetzt. Adorno schreibt dazu:
    „Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch.“ (Theodor W. Adorno: Schuld und Abwehr. Gesammelte Schriften Band 9/2, Frankfurt 1975 )
    So kommt der „moderne Rassismus“ zum Teil ohne „Rassen“ aus, beziehungsweise wurde durch die Kulturalisierung erweitert.

  10. 10 Britta 12. Juli 2008 um 19:03 Uhr

    MODERNE
    Das lateinische Wort modernus („neu“; „neuzeitlich“; „gegenwärtig“) zeigt, dass es sich in der Zeit der Moderne um den Zustand von Entwicklung und Veränderung handelt.
    Zunächst bekannt als Epochenbegriff in der Zeit nach der Aufklärung (ab dem 17. Jahrhundert) bezeichnet die „Moderne“ Umbrüche in den Bereichen des Sozialen, der Politik und der Wirtschaft.
    Die zeitgeschichtliche Einordnung wird mit Ereignissen des 18. und 19. Jahrhunderts, wie die Französische Revolution, die Industrialisierung und Bürokratisierung des Staatsapparates sowie dem Nationalismus verbunden. Es bilden sich eine bürgerliche Gesellschaft und Nationalstaaten heraus. Gesellschafts- und geisteswissenschaftliche Herangehensweisen haben u.a. folgende kennzeichnende Elemente für die Zeit der Moderne herausgestellt: ein neuer Fortschrittsglaube, die Vorherrschaft rationaler Überlegungen, Autonomie gesellschaftlicher Bereiche, Individualisierung, Säkularisierung etc.

    Der Begriff wird neben Disziplinen wie Politik, Soziologie und Philosophie auch von anderen Fachrichtungen wie der Literatur und Kunstgeschichte betrachtet und ist zeitlich nicht klar abgrenzbar. So stammten vor allem Konzepte in den Gesellschaftstheorien (N.Luhmann, R.Münch) zuerst aus der Kunst (v.a. Architektur) und wurden von dort in den Bereich der Soziologie transportiert.
    Als ein Vertreter gilt Jürgen Habermas, der zwei Dimensionen der Moderne unterscheidet, die kulturelle und die institutionelle. In der kulturellen Dimension begreift der Mensch sich selber als Subjekt, unabhängig „von ethischen und religiösen Kollektiven“ und handelt getrennt von „Traditionen oder religiösen Offenbarungen“ auf der Basis von Vernunft. Die in der Gesellschaft vorhandenen Institutionen mit ihren Technologien etc. (institutionelle Dimension) können nur aufgrund des Prinzips aus der kulturellen Dimension existieren.

    Die Kritische Theorie (Hauptwerk Adorno/Horkheimer „Dialektik der Aufklärung“, 1947) befasst sich mit diesen „modernen Veränderungen“ und betrachtet die Wirkungen der Gesellschaft auf den einzelnen Menschen und seine Handlungsmöglichkeiten darin. AutorInnen wie Simone de Beauvouir sind prägend für diese Zeit mit Thesen zur Selbstverwirklichung der Frau, in denen sie die Freiheit und Gleichheit der Geschlechter fordert.

    Im Zusammenhang mit Moderne werden Termini wie „Zweite Moderne“ oder „Postmoderne“ verwendet, die besondere Aspekte genauer betrachten und spezielle Phänomene (Funktionieren der sozialen/kulturellen, politischen und ökonomischen Systeme) und Denkansätze in Abgrenzung zur Moderne (Wirklichkeitsgestaltung des Einzelnen) zu erklären versuchen. Hierin wird auch die Diskussion über die eindimensionale Betrachtung der Moderne deutlich, wonach der spezifische Entwicklungsweg der westlichen Länder als der einzig richtige betrachtet wird und Maßstab für die Moderne anderer Länder ist/war.

    Weiterführende Literatur
    de Beauvouir, Simone (1949): Das andere Geschlecht
    Habermas, Jürgen (1988): Der philosophische Diskurs der Moderne. Frankfurt a.M.
    (1990): Die Moderne – Ein unvollendetes Projekt. Philosophisch-politische Aufsätze. Leipzig.
    Tönnies, Ferdinand (1935): Geist der Neuzeit
    Weber, Max (1922): Wirtschaft und Gesellschaft

    Quellen
    Tibi, Bassam (2002)
    http://www.wcurrlin.de/links/basiswissen/gz-eigenmaterial/moderne/begriff_der_moderne.htm (letzter Zugriff: 7/08)

    http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Aufbruch/themen_start/moderne/index2_html (letzter Zugriff: 7/08)

    Le Monde Diplomatique: Die Entstehung der modernen Welt
    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2006/05/12.mondeText.artikel,a0070.idx,16 (letzter Zugriff: 7/08)

    http://de.wikipedia.org/wiki/

    Heinz, Anke http://www.vaticarsten.de/theologie/theologiedokumente/ethik/sozeth1-einfprinzip-ankeheinz-04.pdf (letzter Zugriff: 7/08)

  11. 11 Ute 17. Juli 2008 um 15:08 Uhr

    Epistemologie
    Definition
    Griechisch: πιστήμη, epistéme – Erkenntnis, Wissen und λόγος, lógos – Wissenschaft, Lehre. Die Epistemologie (Erkenntnistheorie) als eine der zentralen Disziplinen der Philosophie fragt danach, wie Wissen gewonnen wird. Epistemologie bezieht sich auf die unterschiedlichsten Gegenstandsbereiche und befasst sich mit Fragen wie: Welche Erkenntnisse können als wahr bezeichnet werden? Welche Kriterien können dazu herangezogen werden? Wie kommen wahre und gerechtfertigte Meinungen zustande, wie werden sie als solche erkennbar? Welche äußeren Bedingungen sorgen dafür, dass bestimmte Überzeugungen als gültig oder wahr in Betracht kommen? Wie erfassen unterschiedliche Menschen die „Wirklichkeit“?
    Konzepte (sehr exemplarisch)
    Ideenlehre (Platon): Die zweigeteilte Wirklichkeit besteht aus der „Sinnenwelt“ (über die wir nur unvollkommene Kenntnis über unsere unvollkommenen Sinne erlangen können) und die „Ideenwelt“ (über die wir mittels unserer Vernunft sicheres Wissen erlangen können, jedoch nicht mit unseren Sinnen erfassen können). Alle Naturphänomene sind Schattenbilder der ewigen Ideen.
    Rationalismus (Descartes): Mit Hilfe der Vernunft wird die Wirklichkeit erkannt und angemessen gehandelt.
    Hegel: Die Menschheit bewegt sich immer mehr auf größere Selbsterkenntnis und Selbstentfaltung hin, mehr Rationalität und Freiheit, der „Weltgeist“ entwickelt sich auf ein immer größeres Be-wusstsein seiner selbst zu. Die Entwicklung der Vernunft ist eine dialektische Entwicklung durch Bildung von These – Antithese – Synthese.
    Feministische Epistemologie/Gender Studies (Ernst): Wissenschaften (auch feministische) waren ebenso wie die Politik immer sowohl diskursiver Ort hegemonialer Normierung und Herrschaft als auch Ausgangspunkt, diese zu kritisieren und zu überwinden. Feministische Wissenschaften kritisie-ren Geschlechterhierarchien und Geschlechternormierungen, sind kritisch und selbstkritisch hin-sichtlich wissenschaftlichen Wissens und sozialer Verhältnisse. Ziel: strukturelle Transformation von Geschlechterhierarchien, Emanzipation von Personen aus gegebenen Positionen in Geschlech-terhierarchien und deren Empowerment.
    Namen (sehr exemplarisch)
    Aristoteles, von Aquin, Locke, Hume, Berkeley, Kant, Feuerbach, Marx, Engels, Darwin, Freud, Comtes, Einstein, Foucault, Bourdieu, Derrida, Luhmann, Sartre, de Beauvoir, Butler, Hark, Haraway
    Marker
    Was ist x Fragen? (Was ist das Gute? Was ist das Schöne? Was ist das Gerechte?) Sokrates/Platon. Cogito ergo sum (Ich denke, also bin ich) (Descartes). Es gibt keine „ewigen“ Wahrheiten, keine zeitlose Vernunft, die Wahrheit ist grundsätzlich subjektiv (Hegel). „Epistemologie muss einen Raum für Kritik und Utopie beinhalten […]“ (Singer, S. 272-273).
    Stärken und Schwächen
    Epistemologie ist ein machtvolles Instrument, das mit (wenigen) Fragen und Argumenten die Begründung ganzer Systeme und Weltanschauungen erschüttern kann. Genauso können neue Begründungen entworfen und neue Systeme und Ideologien unterstützt werden. Dies kann sowohl progressiv als auch reaktionär verwendet werden.
    Epistemologie erlaubt Verlagerung der Diskussion ins Abstrakte, Grundsätzliche und Theoretische. Dadurch entstehen Diskussionen, die in den zur Debatte stehenden Bereichen nicht so frei geführt werden können, Diskussionen, in denen kritisch gefragt werden kann, mit welcher Gewissheit Reli-gionen, Politik und Wissenschaften zu ihren „Erkenntnissen“ kommen und sie verbreiten. Mit den aus den Diskussionen gewonnenen Hintergrundtheorien verändert sich grundlegend das Wissen in den jeweiligen Bereichen.
    Als Methode verspricht sie Wissenschaftlichkeit, Unparteilichkeit, nachvollziehbare Argumentationsformen und Bereitschaft, sich beliebigen Gegenargumenten zu stellen. Erst nach Austausch aller Argumente werden abschließende Erkenntnisse verfasst. Dadurch sollen wahre und gerechtfertigte Erkenntnisse vom bloßen Meinungsurteil abgegrenzt werden.
    Erkenntnistheoretiker interessieren sich mit Vorliebe für unlösbare Fragen mit großer Allgemeingültigkeit. Im Alltag ignorieren wir i.d.R. diese Art von Fragen, sie sind nicht lebenspraktisch und lösungsorientiert.
    Epistemologische Debatten erfordern hohes Fachwissen des jeweiligen Spezialgebietes.
    Epistemologie ist westlich zentriert.
    Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Epistemologie am 20.06.08, http://www.grundrisse.net/Buchbesprechungen/mona_singer.htm am 20.06.08, Waltraud Ernst: Diskurspiratinnen, 1999, Wien: Milena Verlag

  12. 12 Tanja 21. Juli 2008 um 13:25 Uhr

    Definition

    Der Duden definiert Feminismus als „eine Frauenbewegung, die die Befreiung der Frau von gesellschaftlicher Diskriminierung und Unterdrückung durch Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse und damit der geschlechtsspezifischen Rollen anstrebt“.

    Siehe auch: 1.Welle der „modernen“ Frauenbewegung oder Frauenrechtsbewegung (Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts) ->grundsätzlichen politischen und bürgerlichen Rechte ->Frauenwahlrecht, -> Recht auf Erwerbstätigkeit, -> Recht auf Bildung

    2. Welle der Frauenbewegung (seit den 1960er Jahren) -> Kritik an Diskriminierungen von Frauen

    Konzepte
    Militanter Feminismus -> Männer als Übel (Valerie Solanas – Society for Cutting Up Men )
    Differenzfeminismus -> Grundsätzliche Verschiedenheit der Geschlechter, zwischen Männern und Frauen gibt es einen naturgegebenen Unterschied, Frauen werden naturgegebene Wesenszüge nachgesagt, die sie unabhängig von Kultur und Geschichte gemeinsam haben. (Ähnlich kultureller Feminismus -> biologische Unterschiede)
    Marxistischer Feminismus -> gesamtgesellschaftlichen Rechte der Frau (Anerkennung von Haus- und Reproduktionsarbeit) ->Voraussetzung oder Element für die Überwindung des kapitalistischen Systems
    Radikalfeminismus ->grundsätzliche Gleichheit (Universalismus) der Geschlechter, Unterschiede hauptsächlich durch gesellschaftliche Machtstrukturen und Sozialisation der Menschen. ( z.B.: Mary Daly, Simone de Beauvoir)
    Dekonstruktivistischer Feminismus / Postfeminismus ->das biologische Geschlecht (sex) als auch das soziale Geschlecht (gender) sind gesellschaftliche Konstrukte -> Geschlecht als Klassifikationseinheit wird abgelehnt. (z.B.: Judith Butler)

    (Popfeminismus ist die Kritik von Popkultur mit feministischen Mitteln. (z.B.: Sonja Eismann))

    Marker
    „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ (Simone de Beauvoir)
    „Die Naturalisierungen der Heterosexualität wie auch der männlichen sexuellen Aktivität sind diskursive Konstruktionen.“ (Judith Butler)
    „Die dritte Welle von Feministinnen, die sich so gar nicht von ihren Vorläuferinnen der zweiten Welle distanzieren will, sondern ihnen für ihre Errungenschaften dankbar ist, steht […]schon in den Startlöchern. Selbst schuld, wer all deren Ladyfeste, Drag-King-Shows und queer-feministische Symposien verschläft.“ (Sonja Eismann)
    Kritik

    Einseitig, männerfeindlich/Heterozentrisch/Spaltend/Eurozentrisch/PorNo?

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