Opfer und Täter

Zweiter hehe, ich mach dann mal den Anfang!

Ich habe ein paar Tage über die Sache mit den priviligierten und diskriminierten Gruppen nachgedacht.
Meiner Meinung nach bewirkt eine Unterteilung in Täter- und Opfergruppen (z.B. Heterosexuelle und Schwule & Lesben, Weiße und People of Color) eine Homogenisierung beider Gruppen, die wir ja an anderen Stellen kritisieren (Stichwort: diversity). Es gibt schließlich auch Heterosexuelle, die sich für die Gleichstellung von Schwulen & Lesben engagieren und Lokalitäten, in denen man als Heterosexueller nicht gern gesehen wird (Stichwort: eigene Räume). Nichtsdestotrotz sehe ich auch die bestehenden Macht- und Unterdrückungsverhältnisse.
Es ist sehr unbequem sich ohne Ausflüchte der Gruppe der (potentiellen) Täter zuzuordnen und hilft sicherlich bei der Bewusstmachung von Machtverhältnissen, aber man sollte sich nicht in dieser Selbstgeißelung einrichten.


3 Antworten auf “Opfer und Täter”


  1. 1 Regina 15. April 2008 um 21:17 Uhr

    puh, da muss ich mich aber erst mal dran gewöhnen, an diese art der diskussion…. also, ich denke, was du da anspricht sind zwei verschiedene sachen. zum einen sprichst du von einer homogenisierung der gruppen durch einteilung in täterInnen und opfer und zum anderen sprichst du von nicht einrichten in der selbstgeiselung. zu dem ersten punkt fällt mir ein zitat ein, wo ich leider nicht mehr weiß, von wem das stammt: „vergiss, dass ich schwarz bin, aber vergiss nie, dass ich schwarz bin“. ich finde, es geht nicht darum, alle lesben oder alle people of colour oder alle jüdInnen so oder so zu behandeln, weil sie lesben sind, oder people of colour oder jüdInnen, d.h. alle gleich zu machen. alle sind unterschiedlich, ich will auch nicht in irgendwelche schubladen gepackt werden, bloß, weil ich lesbe bin und trotzdem gibt es strukturellen rassismus, sexismus u.s.w. und da bin ich ein teil davon und da finde ich, hab ich ne verantwortung, mir das anzugucken. was deinen zweiten punkt angeht finde ich auch, in der selbstgeiselung eingerichtet zu bleiben, nutzt niemandem. eigentlich geht es ja auch um ressourcen und privilegien, die es sich bewusst zu machen gilt.

    wenn ich mir das jetzt nochmal durchlese, ists auch nix anderes als das, was du geschrieben hast, naja, ist auch schon spät…. lg reg.

  2. 2 Maria do Mar 03. Mai 2008 um 17:57 Uhr

    Das Zitat: “vergiss, dass ich schwarz bin. vergiss nie, dass ich schwarz bin” – stammt von der afro-amerikanischen, lesbischen Feministin Pat Parker (1944-1989). Von der auch folgendes Zitat stammt:

    „If I could take all my parts with me when I go somewhere, and not have to say to one of them, „No, you stay home tonight, you won‘t be welcome,“ because I‘m going to an all-white party where I can be gay, but not Black. Or I‘m going to a Black poetry reading, and half the poets are antihomosexual, or thousands of situations where something of what I am cannot come with me. The day all the different parts of me can come along, we would have what I would call a revolution“

    mehr infos: http://voices.cla.umn.edu/vg/Bios/entries/parker_pat.html
    best, maría do mar

  3. 3 leah 05. Mai 2008 um 9:12 Uhr

    Guten Morgen, liebe Alle,
    wer macht eigentlich die Einteilung in Täter und Opfer?
    Zu welchem Zweck? In Bezug auf welches Ziel?
    Und ist eine solche Einteilung hilfreich in Bezug auf was?

    Im Social Justice Training und in seiner Theorie und praktischen Hintergründen beziehen sich die Begriffe priviligierte und diskriminierte bzw. nichtpriviligierte Gruppen ja immer auf die Struktur einer Gesellschaft. Die wirkt sich auf das Individuum in vielfältiger Weise aus, aber das Individuum oder der einzelne Mensch sind nie die Struktur. Und es ist die Intention von SJT, die Vorstellung, es gäbe homogene Gruppen, aufzubrechen.

    Und hier ein Witz zum Wochenbeginn:

    Rom, ein paar Jahrhunderte früher. Der Papst erläßt ein Dekret: Alle Juden haben die Staaten Italiens zu verlassen.
    Natürlich Riesengeschrei unter den Juden, auch einige italienische Fürsten wiegen den Kopf, ob das so gut sei… schließlich erbarmt sich der Papst: “Gut! Wenn so großer Wert auf die Anwesenheit der Juden gelegt wird, bin ich bereit, nochmal drüber nachzudenken. Sie sollen mir ihren weisesten Rabbiner zu einer theologischen Diskussion schicken – gewinne ich, gehen sie, gewinnt er, dürfen sie bleiben.”
    Großes Suchen. Schließlich einigen sich die Juden auf den alten, für seine Weisheit gerühmten Rabbi Moshe.
    Das Problem: Der Rabbi ist gerade zugezogen und spricht weder Italienisch noch Latein, der Papst keine Sprache, die der Rabbi spricht. Also einigen sie sich auf Zeichensprache.

    Der Papst fängt an, hält drei Finger in die Höhe. Der Rabbi zeigt ihm den Mittelfinger.
    Der Papst macht eine kreisende Bewegung um seinen Kopf. Der Rabbi deutet auf den Boden.
    Der Papst öffnet eine Tasche, nimmt Brot und Wein heraus, stellt es auf den Tisch. Der Rabbi greift in seine Manteltasche und legt einen Apfel auf den Tisch.

    Da steht der Papst auf, verkündet: “Ich sehe es ein, die Juden dürfen bleiben”, gibt dem Rabbi die Hand und eilt in Richtung seiner Gemächer. Die Kardinäle gucken sich verwundert an, eilen hinterher: “Eure Heiligkeit, das verstehen wir nicht! Wieso haben Sie jetzt verloren?”
    “Na, ist doch klar”, sagt der Papst. “Ich hab ihm gesagt, daß wir an die heilige Dreieinigkeit glauben. Er hat geantwortet: Es gibt trotzdem nur einen Gott. Ich hab ihm gesagt: Gott ist überall. Er hat mich daran erinnert, daß Gott auch hier bei uns ist. Dann hab ich ihm Brot und Wein gezeigt, um ihn an das große Opfer Christi zu erinnern, und er hat mir einen Apfel gezeigt, um mich an die Ursünde Adams zu erinnern. Da wußte ich nicht mehr weiter…”

    Die Juden feiern. Einige sagen: “Ganz toll, Rabbi! Aber sag mal, wie hast Du das gemacht?” Der Rabbi antwortet: “Na ja, ganz klar ist mir das auch nicht. Er hat gesagt: “In drei Tagen seid Ihr raus!” und ich hab ihm gesagt, er kann uns mal. Er hat gesagt “Ihr könnt gehen, wohin Ihr wollt”, und ich hab geantwortet “Wir bleiben hier!” Und dann hat er sein Mittagessen rausgeholt und ich meines…”

    Sonnige Grüße aus Schöneberg
    von Leah.

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